Glossar

Abhängigkeitssyndrom

Unter einem Abhängigkeitssyndrom wird allgemein ein Denk-, Erlebens- und Verhaltensmuster verstanden, das auf den Konsum bestimmter Substanzen oder die Ausübung bestimmter Tätigkeiten Vorrang vor allen anderen Bereichen des Lebens hat. Die Betroffenen haben typischerweise einen starken Wunsch oder Zwang, die betreffende Substanz zu konsumieren und weisen eine verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich der Konsumhäufigkeit und Konsummenge auf. Hinsichtlich der als positiv erlebten Wirkungen weisen die Betroffenen typischerweise eine Toleranz auf, das heißt sie müssen immer höhere Mengen konsumieren, um die gewünschten Effekte zu erreichen. Wenn die Frequenz des Konsums erhöht wird, treten typischerweise körperliche Entzugssymptome auf, die für die jeweilige Substanz charakteristisch sind.  Weiteres Charakteristikum von Abhängigkeitserkrankungen ist der fortgesetzte Konsum von Substanzen trotz negativer sozialer, familiärer oder beruflicher Folgen. Typische Abhängigkeitssyndrome sind die Alkoholabhängigkeit, die Abhängigkeit von psychotropen Substanzen wie Kokain oder Opiaten. Als nicht-substanzgebundene Abhängigkeiten bezeichnet man Verhaltensstörungen wie das pathologische Glücksspiel. Auch Verhaltensstörungen wie Sexsucht, workaholism (Arbeitssucht) oder Sportsucht werden häufig den Abhängigkeitserkrankungen zugeordnet.

Achtsamkeit

Achtsamkeit bedeutet, dass man Augenblicke bewusst und nicht wertend annimmt. Achtsamkeit wird therapeutisch genutzt, um automatisierte Reaktionen zu unterbrechen und langfristig mehr Gelassenheit und Lebensfreude zu erreichen.

Biofeedback

Biofeedback ist eine therapeutische Methode, durch die der Betroffene erlernt, willentliche Kontrolle über bestimmte physiologische Körperfunktionen zu erlernen. Bioelektrische Impulse wie Puls, Hautwiderstand, Muskeltonus oder Atemfrequenz werden über Sensoren, die am Körper platziert werden, registriert,  audiovisuell dargestellt und so der bewussten Wahrnehmung zugänglich gemacht. Während der Biofeedback-Sitzungen kann der Betroffene diese audiovisuelle Rückmeldung nutzen, um Selbststeuerungskompetenz über seinen Körper zu erreichen.

Bipolare Störung

Eine bipolare Störung ist eine phasisch verlaufende Erkrankung, in der depressive  und manische Episoden auftreten. 

Demenz

Als Demenz bezeichnet man ein Krankheitssyndrom, das durch Nachlassen der Gedächtnisleistung, die Abnahme anderer kognitiven Fähigkeiten und affektive Symptome über die Zeitdauer von mindestens sechs Monaten charakterisiert.  Die Gedächtnisstörungen betreffen typischerweise das Erlernen neuer Informationen. In schweren Fällen können auch Erinnerungen betroffen sein, die früher bereits erlernt wurden. Weitere kognitive Fähigkeiten die typischerweise beeinträchtigt sind, sind Fähigkeiten Abläufe zu planen oder zu organisieren oder verschiedene Reize gleichzeitig zu verarbeiten.  Weitere Symptome, die auftreten, sind emotionale Labilität, Reizbarkeit oder Apathie. Demenzen können reversibel und irreversibel sein. Potentiell reversible Demenzformen treten zum Beispiel beim Hydrocephalus oder bei Tumorerkrankungen des Gehirns auf.

Depression

Als Depression bezeichnet man eine psychische Erkrankung, die sich durch Symptome wie gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Freudlosigkeit und körperliche Erschöpfung ausdrückt.

Familienaufstellung

Familienaufstellung oder auch Familienskulptur bezeichnet eine therapeutische Technik, die zwischenmenschliche Beziehungen bildlich aus Sicht des Betroffenen darstellt. Durch die Aufstellung wird den Betroffenen deutlich, wie sie ihre Familie und die Beziehung einzelner Familienmitglieder zu sich selbst erleben. Die Familienskulptur ist ein Bestandteil systemisch ausgerichteter Psychotherapietechniken. 

Frotteurismus

Sexuelle Erregung durch Berühren oder Sich-Reiben an einer unbekannten und nicht einwilligenden Person. Die Handlungen werden typischerweise in Menschenansammlungen vollzogen.&nbsp;<br />Das Krankheitsbild kann psychotherapeutisch behandelt werden.&nbsp;

Manie

Eine Manie weist Symptome wie situationsinadäquat gehobene Stimmung, Reizbarkeit, Antriebssteigerung, erhöhtes Redebedürfnis, reduzierte Konzentrationsfähigkeit, starke Ablenkbarkeit, Sprunghaftgkeit, überhöhte Selbstwahrnehmung und übertriebenen Optimismus auf. Es tritt eine gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit sowie ein reduziertes Schlafbedürfnis auf. Der Zustand wird von den Betroffenen meist als angenehm befunden, Krankheitsgefühl und Behandlungsbereitschaft bestehen typischerweise nicht.

Pathologisches Glückspiel

Als pathologisches Glücksspiel bezeichnet man ein Störungsbild, bei dem die Betroffenen trotz negativer finanzieller und sozialer Konsequenzen wiederholt dem Glücksspiel nachgehen und ihren Impuls, Glückspiele zu betreiben, nicht widerstehen können.&nbsp; Die Betroffenen sind typischerweise gedanklich sehr stark mit dem Glückspiel beschäftigt und vernachlässigen andere Aktivitäten zugunsten des Glücksspiels. Bei Versuchen, das Glücksspiel aufzugeben oder einzuschränken tritt typischerweise Gereiztheit oder Anspannung auf. Typischerweise nutzen die Betroffenen das Glückspiel auch, um Problemen oder negativen Stimmungen zu entkommen. Im Verlauf der Erkrankungen können Verhaltensweisen wie kriminelle Handlungen zur Finanzierung des Glücksspiels oder Verheimlichung des Glückspiels gegenüber Dritten auftreten. Das Störungsbild wird typischerweise durch Psychotherapie und ggf. unterstützend medikamentöse Therapie behandelt.

Psychotherapie, psychodynamische

Psychodynamische Psychotherapieverfahren orientieren sich am theoretischen Hintergrund der psychoanalytischen Krankheitslehre und Persönlichkeitstheorie. Die Psychodynamik ist Teil der von Freud (1900) konzipierten Metapsychologie, die innerseelische Vorgänge und ihre Beziehung zueinander beschreibt. Kennzeichnend für dieses Erklärungsmodell psychischer Störungen ist, dass angenommen wird, dass unbewusste Vorgänge und Konflikte psychische Störungen hervorrufen. Ziel der psychodynamischen Psychotherapie ist das Erkennen und Auflösen unbewusster intrapsychischer Konflikte und die konsekutive Reduktion der Symptome der psychischen Störungen.

Schizophrenie

Als Schizophrenie bezeichnet man eine Erkrankung, bei der das inhaltliche Denken der Betroffenen verändert ist. Es treten Symptome wie Kontroll- oder Beeinflussungswahn auf, die Betroffenen hören ggf. kommentierende oder dialogisierende Stimmen, die über sie sprechen oder ihnen Befehle erteilen. Andere typische Symptome sind das laute Hören eigener Gedanken (&quot;Gedankenlautwerden&quot;) oder das Gefühl, dass andere Personen, die eigenen Gedanken lesen oder entziehen können (&quot;Gedankenentzug&quot;).&nbsp;

Verhaltenstherapie, kognitive

Aus kognitiv-verhaltenstherapeutischer Sicht sind psychische Störungen die Folge prädisponierender äußerer und innerer Faktoren. Äußere Faktoren können zum Beispiel Lebensbedingungen oder einschneidende Lebensereignisse sein, innere Faktoren sind Bewertungen und Denkmuster des Betroffenen. Die Wirksamkeit kognitiv-verhaltenstherapeutischer Verfahren ist für Krankheitsbilder wie Depression, Phobien, Agoraphobien, Panikstörung, Borderline-Störung, Zwangsstörungen oder posttraumatische Belastungsstörung wissenschaftlich belegt.

Zwangsstörung

Zwangsstörungen zeichnen sich durch Zwangsgedanken oder bzw. und Zwangshandlungen aus. Die Zwangsgedanken und Zwangshandlungen werden von den Betroffenen als unangenehm, übertrieben und unsinnig empfunden. Die Betroffenen versuchen die Ausführung der Zwangsgedanken und Zwangshandlungen typischerweise zu unterdrücken und vor anderen Personen zu verbergen. Die Zwangssymptome beeinträchtigen die Betroffenen häufig sowohl beruflich, familiär als auch sozial.&nbsp;